Was ist Sehschärfe?
Die Sehschärfe (Visus) bezeichnet die Fähigkeit des visuellen Systems, räumliche Details aufzulösen. Wie definiert durch die Hochschule der Optometristen. Die Sehschärfenmessung (VA) ist eine zentrale klinische Untersuchung. Sie quantifiziert, wie gut das Auge kleinste räumliche Details, typischerweise die kleinsten in einer bestimmten Entfernung sichtbaren Zeichen oder Symbole, unterscheiden und auflösen kann. Diese Messung gibt Aufschluss sowohl über den Brechungszustand des Auges als auch über die Funktionsfähigkeit der neuronalen Bahn, die visuelle Informationen von der Netzhaut zur Großhirnrinde leitet. Es ist jedoch entscheidend zu erkennen, dass die Sehschärfe nur eine Dimension der Sehfunktion erfasst. Für ein vollständiges Bild des Sehvermögens eines Patienten müssen die Ergebnisse der Sehschärfenmessung im Kontext des gesamten klinischen Geschehens interpretiert werden.
Was misst die Sehschärfe eigentlich?
Im Kern beurteilt die Sehschärfe die Fähigkeit des Auges, feine Details unter kontrollierten Bedingungen zu unterscheiden: in kontrastreichen Umgebungen mit standardisierten Testbedingungen. Der Test konzentriert sich auf das zentrale Sehen (Fovea), da dort die höchste Dichte an Zapfenzellen und die größte Sehschärfe erreicht wird.
Drei eng miteinander verbundene Systeme müssen zusammenarbeiten, um normales Sehen zu ermöglichen. Der Brechungsapparat des Auges – hauptsächlich Hornhaut und Linse – muss über ausreichend Brechkraft verfügen, um ein scharfes Bild auf die Netzhaut zu projizieren. Die Netzhaut selbst und der Sehnerv müssen strukturell und funktionell intakt sein, damit sie Lichtsignale aufnehmen und entlang der Sehbahn weiterleiten können. Schließlich müssen der visuelle Cortex und die zugehörigen Verarbeitungszentren des Gehirns die eingehenden Signale interpretieren können. Jede Störung in einem dieser drei Systeme führt zu einer verminderten Sehschärfe. Ursachen hierfür sind unter anderem Fehlsichtigkeit, Trübungen der optischen Medien, Netzhautdegeneration, Sehnervenerkrankungen oder Störungen der visuellen Verarbeitung im Gehirn.
Welche Arten von Sehschärfe gibt es?
Die Sehschärfe wird je nach klinischem Bedarf und Betrachtungsabstand auf unterschiedliche Weise beurteilt.
Fernvisus Die Fernsicht (DVA) beschreibt die Schärfe, mit der feine Details aus einer Entfernung von 6 Metern (20 Fuß) oder mehr erkannt werden können. Dies ist die Standardmessung der Sehschärfe, die bei den meisten augenärztlichen Untersuchungen durchgeführt wird und die Patienten typischerweise mit einem Sehtest verbinden. Sie spiegelt die visuellen Anforderungen alltäglicher Fernsichtaufgaben wider, wie z. B. das Erkennen von Gesichtern und das Lesen von Schildern.
Nahsehschärfe Erfasst, wie gut Details bei einem Arbeitsabstand von üblicherweise 33-40 cm aufgelöst werden. Die Beurteilung der Nahsehschärfe ist besonders wichtig bei der Bewertung von Presbyopie, der Untersuchung von Leseschwierigkeiten und der Verfolgung von Veränderungen bei Erkrankungen, die das Sehvermögen im Nahbereich selektiv beeinträchtigen, wie z. B. bestimmte Makulaerkrankungen.
Darstellende Sehschärfe Die Sehschärfe wird im gewohnten Refraktionszustand des Patienten gemessen: mit Brille, mit Kontaktlinsen, nach refraktiver Chirurgie oder ohne optische Korrektur. Dieser Wert spiegelt die tatsächliche Seherfahrung des Patienten außerhalb des Untersuchungsraums wider.
Bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) Der BCVA-Wert (Best Corrected Visual Area) bezeichnet die Sehschärfe, die erreicht wird, wenn der Patient die optisch ideale Refraktionskorrektur trägt oder angepasst bekommt. Er dient dazu, zu unterscheiden, inwieweit der Sehschärfenverlust auf unkorrigierte Refraktionsfehler zurückzuführen ist und inwieweit er durch Erkrankungen oder strukturelle Schäden bedingt ist, die eine Brille allein nicht beheben kann.
Was die Sehschärfe nicht misst
Die Sehschärfenprüfung misst das zentrale Auflösungsvermögen unter standardisierten Laborbedingungen mit hohem Kontrast. Sie lässt die Beurteilung zahlreicher anderer wichtiger visueller Fähigkeiten außer Acht:
- Gesichtsfeld: Die Sehschärfe (VA) beurteilt nicht das Ausmaß des peripheren Sehens. Die Sehschärfe kann bei 6/6 oder besser liegen, obwohl ein erheblicher Verlust des peripheren Sehens vorliegt. Beim primären Offenwinkelglaukom ist das periphere Sehen oft zuerst betroffen, während die Sehschärfe bis in spätere Krankheitsstadien erhalten bleibt.
- Kontrastempfindlichkeit: Die Fähigkeit, feine Helligkeitsunterschiede wahrzunehmen und Objekte in kontrastarmen Umgebungen zu erkennen, ist unabhängig von der Sehschärfe. Schwierigkeiten beim Fahren in der Dämmerung, beim Erkennen abgenutzter Texte oder beim Bewegen in schwach beleuchteten Umgebungen deuten oft eher auf eine eingeschränkte Kontrastempfindlichkeit als auf eine verminderte Sehschärfe hin. Standardmäßige Sehschärfetests geben darüber keine Auskunft.
- Farbsehen: Die Erkennung und Unterscheidung von Farbtönen und Wellenlängen wird nicht durch Standard-Sehtests geprüft. Das Farbsehen wird mit separaten Tests beurteilt.
- Binokulare Funktion: Obwohl die Sehschärfeprüfung die individuelle Sehschärfe jedes Auges erfasst, gibt sie keinen Aufschluss über die Koordination der Augen. Zum binokularen Sehen gehören die Augenausrichtung, die Vergenz und das räumliche Sehen (Stereopsis), die separat beurteilt werden.
Eine vollständige Untersuchung beurteilt systematisch jede dieser visuellen Komponenten einzeln. Eine verminderte Sehschärfe ist lediglich eine von vielen klinischen Beobachtungen; sie allein kann weder das funktionelle Sehvermögen noch die visuelle Lebensqualität eines Patienten charakterisieren.
Was verursacht verminderte Sehschärfe?
Der Sehschärfenverlust lässt sich in zwei große Kategorien einteilen, und die Erkennung, welche Kategorie auf den jeweiligen Patienten zutrifft, ist für die optometrische Beurteilung unerlässlich:
- Fehlsichtigkeit: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus beeinträchtigen die Sehschärfe, wenn sie unkorrigiert bleiben. Eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit ist die häufigste vermeidbare Ursache für verminderte Sehschärfe und lässt sich gut mit Brille, Kontaktlinsen oder einem operativen Eingriff behandeln. Verbessert sich die Sehschärfe nach einer Refraktionsbestimmung oder mit Probelinsen deutlich, deutet dies stark auf eine Fehlsichtigkeit hin. Die optimale Brillenverordnung führt in der Regel zu einer Normalisierung oder einem nahezu normalen Sehvermögen.
- Pathologische Ursachen: Trübungen oder Funktionsstörungen der lichtleitenden Medien (Hornhautnarben, Katarakte, Glaskörperblutung), Beeinträchtigungen der Netzhautstruktur oder der Photorezeptorfunktion, Erkrankungen des Sehnervs oder Störungen der zentralen Sehbahn können die bestkorrigierte Sehschärfe verringern. Typische Beispiele hierfür sind Katarakt und altersbedingte Makuladegeneration, diabetische Retinopathie, Amblyopie, Optikusneuritis und rhegmatogene Netzhautablösung. Bleibt die Sehschärfe trotz optimaler refraktiver Korrektur reduziert, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um eine zugrunde liegende Erkrankung zu identifizieren oder auszuschließen.